Was wir sehen, hören, erinnern – alles unterliegt der ständigen Verwandlung. Die Erzählungen von gestern, heute, jetzt scheinen die gleichen zu sein, und doch sind sie anders. Ein neuer Ton, eine neue Färbung, ein anderes Wort bewirken, wenn auch nur in Nuancen, eine Veränderung der Geschichte und des erinnerten Bildes.

Scheinbar Unwichtiges wird weggelassen, aus Gründen der Zeit, der Ungeduld, des Vergessens. Oder ein Detail wird verstärkt, gewinnt plötzlich an Bedeutung. Steht ein an der Geschichte Beteiligter neben dem Erzähler, fragt derjenige sich manchmal, ob es die gleiche erlebte Geschichte ist.

Es ist das gleiche Erlebnis, das gleiche Bild, der gleiche Moment, aber nicht die gleiche Erinnerung. Sie sind verwandt - aber verwandelt.

 

Bilder, gemalt oder fotografiert, real oder abstrakt, erzeugen, beeinflusst durch eine Erfahrung, die wir Wirklichkeit nennen, das Erinnerungsmuster einer Welt des erinnerten Augenblicks.

 

Der Betrachter ist der Zauberer, der im Schönen wie im weniger Angenehmen dem Bild eine Bedeutung gibt, die für ihn einzigartig, von außen kaum nachvollziehbar, so gut wie nicht nacherlebbar ist.

 

Alles durchläuft im Moment der Betrachtung eine innere und geheime Verwandlung, oft unbemerkt, als unausgesprochener Hauch der Wirklichkeit. Was aber ist die Wirklichkeit?

 

Eine kleine Zeichnung, anfangs nur Bleistift und Fineliner, verwandelt sich durch Mittel weiterer Malmaterialien in Verbindung mit der digitalen Bildbearbeitung in ein Gemisch einer explosiven Vielfalt, wie sie technisch noch vor kurzem kaum denkbar war.

Das Ergebnis ist oft nicht wiederzuerkennen. Und doch sind Zeichnungen und Ergebnisse miteinander verbunden, verwandt.